Angedacht

 

Herr, schenk mir Geduld

Jakobus 5, 7-8

Es ist Advent. Die Kinder warten auf Weihnachten. Noch sind es einige Tage bis dahin, und sie kommen gerade den Kleinen unendlich lang vor. Es ist eine Zeit der Vorfreude und der Spannung: Bekomme ich das geschenkt, was ich mir wünsche? Der Adventskalender ist da eine Hilfe: Jeden Tag eine kleine Überraschung, und man sieht so schön, wie der 24.12. näherkommt.

Bei Erwachsenen sieht das schon etwas anders aus. Meistens reicht die Zeit nicht für all die Dinge, die bis zum Jahresende noch zu erledigen sind. Wir sind viel zu beschäftigt, um geduldig zu warten. Bei anderen Gelegenheiten wird das Warten zur Qual: Wir warten an der Bushaltestelle oder im Wartezimmer, wir stehen im Supermarkt an der Kasse oder mittlerweile auch schon vorher am Eingang und warten. Wir warten auf den Arztbericht, das Testergebnis oder den angekündigten Impfstoff. Warten kann zur Belastung werden.

„Herr, schenk mir Geduld, aber bitte sofort.“ So lautete der Titel eines Buches, dass tatsächlich schon vor gut 20 Jahren erschienen ist. Und im Untertitel hieß es dann „Vom Sinn des Wartens in einer schnelllebigen Zeit“. Schon damals wusste ich, dass Geduld eine Übung ist, die lange Zeit braucht – lebenslang. Und deswegen muss ich auch heute immer wieder daran arbeiten.

Wenn ich in das Neue Testament schaue, stelle ich erstaunt fest, an wie vielen Stellen von Geduld die Rede ist. Jesus selbst spricht davon (Lukas 8,15), und auch Paulus behandelt das Thema bei etlichen Gelegenheiten in seinen Briefen. Geduld und Glaube gehören zusammen. Ich brauche Geduld, um meinen Glauben an Jesus zu leben. Vor allem, wenn die Umstände schwierig sind. Und ich merke, dass ich nicht nur dann Geduld brauche, wenn ich auf bestimmte Ereignisse warte oder auf die Lösung eines Problems hoffe. Geduld betrifft auch meine Beziehungen zu anderen Menschen und meine Beziehung zu Gott.

Zunächst mal brauche ich aber Geduld mit mir selbst. Unsere Welt scheint sich in den letzten Jahren immer schneller zu drehen. Die technischen Entwicklungen sollen uns ja eigentlich den Alltag erleichtern, aber letztlich ist alles so komplex geworden, dass manch einer den Überblick verloren hat. Früher schien manches einfacher zu sein. Die Welt wirkte ruhiger und entspannter. Heute macht sich ganz schnell Hektik breit, wenn nicht alles sofort gelingt oder erledigt ist.

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