Angedacht

 

Wenn der Sturm tobt

Apostelgeschichte 27

Es ist eine Zeit der Extreme. Einige Jahre hatten wir extreme Trockenheit. Ganze Fichtenwälder mussten abgeholzt werden. Dann ein Winter mit heftigem Schneefall. Und nun die außerordentlichen Regenfälle, die in Teilen unseres Landes zu schrecklichen Überschwemmungen geführt haben. Menschen haben ihr Leben verloren, andere stehen vor den Trümmern der Häuser, die einmal ihr Zuhause waren. Was von den Fluten nicht mitgerissen wurde, das hat der Schlamm unter sich begraben.

Einmal mehr wird uns schlagartig bewusst, wie brüchig unsere Existenz ist. Und wie ohnmächtig wir sind, wenn die Kräfte der Natur an uns rütteln. Einmal mehr erleben wir, dass nichts sicher ist. Unsere Lebenspläne können von einer Minute auf die andere zusammenbrechen. Und plötzlich kommen auch unsere Lebensgewissheiten ins Wanken. Was gibt uns Halt?

Lukas berichtet in Kapitel 27 der Apostelgeschichte ausführlich über die Seereise des Apostels Paulus nach Rom. Es war Anfang Oktober und damit die Zeit, in der mit starken Herbststürmen gerechnet werden musste. Tatsächlich gerät das Schiff in einen Sturm. Es wird von Wind und Wellen hin- und her geworfen. Die Seeleute kämpfen verzweifelt gegen die Naturgewalten. Aber so sehr sie sich auch mühen, es gelingt ihnen nicht, das Schiff unter Kontrolle zu halten. Es läuft ihnen aus dem Ruder. Den Passagieren ist angst und bange. Sie treiben auf dem Meer – ohnmächtig den Gewalten der Natur ausgeliefert.

Mittendrin Paulus. Er ist auf dem treibenden, hin und her geworfenen Schiff. Es geht ihm nicht anders als den anderen dort. Der Sturm bläst ihm genauso ins Gesicht. Er steht auf demselben schwankenden, unsicheren Boden. Das Wasser steht ihm bis zum Hals wie allen anderen auch. Paulus ist nicht ausgenommen von der Not, in der sich das Schiff befindet. Und das entspricht auch unserer Erfahrung. Christen leben nicht auf einer Sonneninsel, die nur an den Rändern von den Problemen und Krisen umspült wird. Christsein ist keine Garantie dafür, dass alles im Leben glatt verläuft: ohne Stürme, ohne Zweifel, ohne Ängste, ohne Verluste. Auch Christen werden arbeitslos. Auch Christen verlieren ihr Hab und Gut. Auch Christen stehen vor den Trümmern ihres Lebens.

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