Angedacht

 

 „Seid barmherzig“

Lukas 6,36

Das ist mal wieder so ein Satz von Jesus, bei dem ich denke: Ja, das wäre gut, wenn wir alle mal etwas barmherziger miteinander umgehen würden. Gerade die letzten Wochen und Monate des vergangenen Jahres haben uns vielfältig vor Augen geführt, wie unbarmherzig Menschen sein können. Egal, um welches Thema es dabei geht – jeder glaubt, er wüsste ganz genau Bescheid. Und alle, die anders denken und reden, liegen dann natürlich vollständig falsch. Wie extrem das in seinen Auswüchsen sein kann, haben uns die Medienberichte aus Washington deutlich vor Augen geführt.

Nein, Barmherzigkeit täte uns wirklich gut, in jeder Hinsicht. Denn der Satz, der uns durch dieses Jahr begleiten soll, geht ja noch weiter: „… wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Barmherzigkeit ist nicht bloß eine nette Idee für ein gelingendes Miteinander der Menschen. Der Begriff beschreibt in erster Linie Gottes Haltung zu uns. Wenn ich selber barmherziger im Umgang mit anderen sein will, dann sollte ich mir vielleicht zuerst überlegen, wo und wie Gott mir gegenüber barmherzig ist.

Und dazu brauche ich dort im Lukasevangelium einfach nur zwei Verse weiterlesen: Richtet nicht, verdammt nicht, vergebt. Gebt und schenkt, um anderen zu helfen. Das sind nicht einfach nur Aufforderungen, die Jesus an seine Leute richtet. Sondern er beschreibt damit das Wesen Gottes, des Vaters. Im Alten Testament findet man häufiger folgende Aussage: „Du aber, Herr, Gott, bist barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte und Treue.“ (Psalm 86,15).

Gott ist barmherzig und gnädig. Oder anders ausgedrückt: Er meint es gut mit mir, obwohl ich das ja eigentlich gar nicht verdient hätte. Natürlich gibt es in meinem Leben einiges, was mir gelingt, aber es läuft auch manches schief. Und da bringt es meistens nicht viel, sich einfach nur am Riemen zu reißen und sich etwas mehr anzustrengen. Ich brauche es, dass Gott mit mir barmherzig ist, mich nicht richtet, mich nicht verurteilt. Obwohl er dazu allen Grund hätte. Nein, Gott vergibt mir und schenkt mir immer wieder neu das Leben in der Gemeinschaft mit ihm. Ich darf ganz nah bei seinem Vaterherz sein, weil er das so will.

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